GESCHICHTE DES KAFFEEHAUSES
Levantiner, Türken, Armenier eröffneten die ersten Cafes. In den Salons waren Männer und Frauen gleichberechtigt. Die Emanzipation
der
Frauen nahm mit dem Kaffee ihren Anfang. Männer trafen sich in "Kaffeehäusern", Standesunterschiede wurden dabei aufgehoben.
Kaffee
häuser waren bald überall in Europa anzutreffen. Das "Kaffeehaus" (qahwa-khana, ausgehend 1530 von Damaskus) läuterte eine
neue Ära
in Gesellschaft,Wirtschaft und Politik ein.
Um 1530 gab es in Kairo bereits an die 2000 Kaffeehäuser. 1554 öffnete in
Konstantinopel das
erste europäische Kaffeehaus.
Es folgten 1645 Venedig, 1650 Oxford, 1652 London, 1659 Marseille, 1663 Paris ("La maison de Caova" von
Pascal,
einem Armenier, am Place Sant-Germain), 1663 Amsterdam und Den Haag, 1694 Leipzig, 1760 Rom.
Wiener Kaffeehauskultur
Die Wiener Kaffeehauskultur begann nach der Türkenbelagerung. Am 14. Juli 1683 stand das 250.000 Mann starke osmanische Heer
vonSultan Mehmed IV, unter der Führung von Großwesir Kara Mustafa, vor den Toren Wiens. Den Kern der osmanischen Armee bildeten
die Janischaren und Spahis. Die Janitscharen, ursprünglich zum Islam erzogene Christenknaben, die keine Familie mehr hatten, waren
Berufssoldaten. Zu ihrer Kriegsausstatung zählten der Yatagan, eine einschneidige Hiebwaffe und ein kleines Handbeil sowie ein Krummsäbel. Sie waren buchstäblich bis auf die Zähne bewaffnet. Die Janitscharen waren Jahrhunderte lang gefürchtete Krieger. Die Spahis
waren eine Reitertruppe, die mit leichter Ausrüstung den Kampf eröffneten. Sie waren den unbeweglicheren europäischen Rittern des
Mittelalters weit überlegen. Die Hauptwaffen der Spahis waren Pfeil und Bogen sowie ein kurzer Wurfspeer, der wie ein Wurfmesser
geworfen wurde. Kara Mustafa nahm statt der Artillerie lieber 200 Ochsengespanne mit, die neben seinen privaten Schätzen auch
seinen Harem kutschierte. Er hatte sich vermutlich auf eine längere Belagerung eingestellt. Dafür hätte er wohl schwere Geschütze
dringend gebraucht, aber ebenso wichtig waren im seine Herzensdamen. Also, Hand auf´s Herz, wer hätte wohl an seiner Stelle
anders gehandelt? Beides wollte er vermutlich den weiten Weg nicht transportieren. Außerdem war er ein erfahrener Feldherr,
der sich ausmalte, daß Wien wohl bei der rießigen Übermacht von sich aus kapitulierte. Er hegte auch gar nicht die Absicht Wien
in Schutt und Asche zu schießen. Leicht hatte es selbst ein Großwesir zur damaligen Zeit auch nicht. Mußte er sich doch vielleicht
auch noch um alles selbst kümmern. Seine Soldaten verschlangen 16.000 kg Fleisch und 60.000 Laib Brot am Tag.
Die Ankunft der Türken versetzte Wien in Angst und Schrecken. Doch den Habsburger Leopold I beunruhigte das vorläufig nicht, ging
er doch noch am 6. Juli 1683 in der Nähe Mödlings auf die Jagd. Tags darauf schien es ihm aber doch ein wenig mulmig zu Mute
gewesen zu sein und er entschloss sich in Sicherheit zu bringen. Über Korneuburg, Krems, Melk, Linz fuhr er mit dem Schiff nach
Passau und nahm dort Quartier. Prinzen und Prinzessinnen sowie wohlhabende Bürger schlossen sich ihm an. Mehr als 60.000 Menschen
flohen aus Wien. Eine Woche lang arbeiteten Soldaten, Bürger, Taglöhner und Gelegenheitsarbeiter an den Schanzen und Stadtmauern,
um dem osmanischen Heer zu trotzen. Selbst Bürgermeister Andreas von Liebenberg legte Hand an. Sowohl Andreas von Liebenberg als
auch Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg und Bischof Leopold Kollonitz von Wiener Neustadt zählten zum Wiener Führungsstab. Die
Wiener Verteidiger brachten es auf 11.000 bis 12.000 Soldaten und 5000 Mann Bürgerwehr. Hunger, Krankheit und Not breitete sich
in Wien aus. Kara Mustafa lies seine Armee am Hundsturm, in Gumpendorf und Ottakring lagern. Weitere Truppen lagerten in einem
breiten Gürtel um Wien. Das Zelt des Großwesirs befand sich zwischen Burggasse und Neustiftgasse. Eine Aufforderung zur Kapitulation
wies Graf Starhemberg entrüstet zurück. Für Kara Mustafa schien die Einnahme von Wien ein Kinderspiel zu sein. Er gab Audienzen in
seinem Zelt und vergnügte sich mit seinen Frauen. Am 23. Juli 1683 erfolgte der erste Angriff. Die Türken kamen den Stadtmauern
immer näher. Ab Mitte August 1683 wurde die Lage für die Belagerten bedrohlich, die Situtation schien aussichtslos. Die Verluste
auf beiden Seiten waren hoch, lange konnte sich Wien nicht mehr halten. Am 4. September versuchten die Türken Wien mit aller
Anstrengung zu nehmen, doch die Verteidiger konnten sie noch einmal zurückwerfen. 4000 Soldaten standen den Türken noch
gegenüber. Seit Juli 1683 versuchte Leopold I Geld für für Truppen aufzutreiben. Es gelang ihm vom Papst 1 Mio., von Portugal,
Spanien, Toskana und Venedig ebenfalls 1 Mio und vom ungarischen Erzbischof 400.000 Gulden zur Errettung Wiens zusammen
zu bekommen. Aus 20.900 Mann estande das Reichsheer des polnischen Königs Johann III Sobieski und Erzherzogs Karl von Lothringen
das Wien vor der Vernichtung am 12. September 1683 retten sollte. Die kaiserlichen Truppen lagen bei Tulln, doch statt herbeizueilen
stritten die Befehlshaber über die Rangordnung. Letzlich setzten sich aber Polens König Jan Sobieski durch. Der Oberbefehl wurde
Karl von Lothringen übertragen. Die Truppen sollten vom Tullnerfeld über den Wienerwald und den Kahlenberg angreifen.
Kara Mustafa hatte die letzten Wochen seine Aufmerksamkeit auf die Belagerung der Stadt gelegt und Vorkehrungen zur Sicherung
verabsäumt. Er tritt der Reichsarmee mit 28.000 Mann entgegen und damit den Kampf bereits vor seinem Beginn verloren. Über das
Kahlenbergerdorf und Nußdorf arbeiten sich die Truppen von Karl von Lothringen nach Heiligenstadt vor. Gleichzeitig wird um die
Türkenschanze und Döbling gekämpft. Polnische Truppen kämpfen in Dornbach und in den Pötzleinsdorfer Weinbergen.
Die Janitscharen
hielten sich tapfer. Ein Kampf Mann gegen Mann erfolgte. Schließlich aber ziehen sich die Türken auf die
Linie Weinhaus und Ottakring zurück. Nachdem auch Kara Mustafa dem angreifenden Reisheer nichts mehr entgegensetzen konnte
flüchteten die Osmanen Hals über Kopf. Um 17 Uhr 30 war die Schlacht zu ende, Wien befreit. In den folgenden Jahrzehnten wurde
den Türken empfindliche Niederlagen zugefügt. An der Spitze stand: Prinz Eugen von Savoyen. Als Dank für seine Bemühungen sollte
er das Schloß Belvedere erhalten.
In den Wiener Kaffeehäusern hat sich eine eigene Kultur gebildet. Alfred Polgar bringt es auf den Punkt: "Im Kaffeehaus sitzen
die Leut, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen." Für die Beurteilung eines Kaffeehauses kann Alref Polgar
einen Ratschlag erteilen: "Seit zehn Jahren sitzen die zwei jeden Tag stundenlang allein im Kaffeehaus. Das ist eine gute Ehe?,
Nein, das ist ein gutes Kaffeehaus." Generationen von Literaten besuchten und besuchen in Wien regelmäßig das Kaffeehaus. Doch
auch Politik wurde gemacht. Im Cafe Central spielte der russische Emigranz Trotzki stundenlang Schach. Ein hoher Beamter berichtete
aufgeregt seinem Minister: "Exzellenz, in Rußland ist Revolution!" GehnS`, wer soll denn in Rußland Revolution machen? Vielleicht der
Herr Trotzky aus`n Café Central?", antwortete der Minister.
Auch Karl Kraus, ein Einsamer, der stets die Wiener maßregelte, ging ins
Kaffeehaus und laß dort die Zeitungen, die er haßte. Man ist im Kaffeehaus nicht zuhaus` und doch nicht in der frischen Luft.
Im Weinhaus dominiert der Wein, im Bierhaus das Bier, im Gasthaus die Gastronomie... Das Warenhaus sucht man der Waren wegen
auf, im Schutzhaus sucht man Schutz, das Freudenhaus lockt duch die Aussicht auf Freuden, im Heizhaus wird geheizt, das
Konzerthaus ist für die Konzerte da, aber im Kaffeehaus ist das Haus tausendmal wichtiger als der Kaffee.", schreibt Hans Weigel,
und der mußte es wissen, denn schließlich traf er sich ab zwei Uhr nachmittags im Kaffeehaus stets mit Redaktionskollegen,
Schauspielern, Journalisten und Verlegern. Daß er dabei nicht zum Arbeiten kam ist wohl selbstverständlich, also ging er im
im Laufe des Nachmittages ins..., richtig Kaffeehaus. Aus dem Bedürfnis heraus sich zurückzuziehen, entstand ein
Künsterkafee,
das "Hawlka". Bildberichterstatter entdeckten dieses versteckten Künstertreff und es zivilisiert und vorbei war es
mit der Ruhe.
Die Aufgeschlossenheit seiner Besitzer führte wohl auch zur rühmlichen Erwähnung im Austropop (Was macht a Nockata im Havelka?).
Die sentimentale, musikalische Liebeserklärung an die Wiener Kaffeehausphilosophie haben Peter Herz (Text) und Hermann Leopoldi
(Musik) mit ihrem Lied: "In einem kleinen Café in Hernals... dort genügen zwei Mocca allein ... um ein paar Stunden glücklich zu sein..."übernommen.
Vieles hat sich in Wien geändert. Die Stadt ist freundlicher und weltoffener geworden. Die Sprachenvielfalt auf den Straßen Wiens
ist aber geblieben, zum Glück. Doch eines hat sich nicht geändert, das Kaffeehaus. Auch heute noch, gehören zum authentischen
Kaffeehaus Kellner, schwarz gekleidet und ... in den meisten Fällen unhöflich. Lediglich in die Garderobe und in der Tortenabteilung
sind Kellnerinnen anzutreffen. Der Herr Ober ist aber männlich und als solcher auch anzureden, allenfalls mit dem Vornamen, aber
nach dem "Herr". Der Schani (Johann) war der Ragniedrigste (meinst Lehrling) im Kaffeehaus. Er mußte zumeist die Tische und
Grünpflanzen vor dem Lokal aufstellen. Daher auch der Ausspruch: "Schani, trag`n Garten aussi!". Der "Schanigarten" ist zwar
nicht mehr so häufig anzutreffen, aber ausgestorben ist er noch lange nicht. Auch die Vielzahl von Tageszeitungen, Wochenzeitschriften, Journale und Illustrierte zählen nach wie vor zum Interieur. die Konditorei. In Hinterzimmern wird nach wie vor
gerne Karten (Bridge oder Tarock) gespielt und der Billardstisch ist auch so mancherorts noch nicht aus der Mode gekommen.
Pressekonferenzen finden auch heute noch im Kaffeehaus statt (Landtmann).
Leider mußten viele Kaffeehäuser einer neuen
Zeit weichen. So z.B. das Haag, einst ein Studententreff mit kaum einen freien Sitzplatz, obwohl die stoffbezogenen Sessel
und Bänke kaum mehr geeignet waren lagen sitzenzubleiben, ist heute eine Pizzeria. Auch das Billroth hat wohl eine Lücke
entstehen lassen und viele andere auch. Das Salettl im Neunzehnten gegenüber dem Döblinger Friedhof, jahrelang dem Verfall
preisgegeben ist wieder auferstanden und erfreut sich beim jungen Publikum reger Beliebtheit.
Doch nicht immer will Mann/Frau sich heutzutage in die Stille eines altehrwürdigen Kaffeehauses zurückziehen. Moderne Cafès
sind heute Treffpunkt für Junge und Junggebliebene, die sich mit Freunden zum Gedankenaustausch und zu einem guten Kaffee
zusammenfinden. Und diejenigen, die allein die Betriebsamkeit eines Cafès lieben, sitzen statt zu Hause eben mit ihrem Notebook
im Kaffeehaus, das sich allemal durch Gemütlichkeit von Internetcafès unterscheidet. Jahrelang haben Kinos und Kaffeehäuser ein
tristes Dasein gefristet, doch beide sind wieder auferstanden. Die Kaffeehaustradition war und ist in Wien eben nicht umzubringen
und viele Wiener bevorzugen auch heute noch ihr "Stammcafè", ist es doch dort nicht unbedingt erforderlich zu bestellen.
Der Herr Ober weiß ohnehin was getrunken wird.
Die Annonymität der Großstadt in Verbindung mit der Vertrautheit seiner Umgebung ist ein Bestandteil der Wiener Tradition und
dazu gehören, das Kaffeehaus, der Kaffee und Wiener Leitungswasser, das sich seiner Güter, seiner Qualität und seines Geschmacks
wohl zum Besten gehört.
Viele neue Espressi oder Cafe-Restaurants haben eröffnet, aber auch moderne Kaffeehäuser sind entstanden, meist sachlich,
nüchtern, kahl und kalt. Manche aber werden zu Magneten, wo die Einrichtung und der Kaffee stimmen, die Bedienung und
die Ausstattung auch der modernen Welt entgegenkommen.
Das Cafè "Mocca Club" beim Naschmarkt, 1060 Wien, Linke Wienzeile 4, zählt zu den neuen und besonderen
Kaffeehäusern. Im Inneren ist beschauliche Ruhe, der Lärm des Naschmarktes ist nicht mehr hörbar. Ein idealer
Treffpunkt, um sich mit Freunden und Geschäftspartnern oder mit seiner/seinem Liebsten zu treffen. Die Einrichtung ist liebevoll ausgesucht und sie lädt zum verweilen ein. Aus über 50 Kaffeesorten kann ausgewählt
werden und selbverständlich können Spezialmischungen auch für die gemütlichen Stunden zu Hause bestellt werden.
Sollten Sie ihn Wien sein, besuchen sie zuerst ein Kaffeehaus und lesen Sie dort in Ruhe ihren Stadtführer.
Schauen Sie sich Wien nicht an, erleben Sie diese Stadt.