Martin Michael Hiess


Die Seite für meinen Sohn

MARTIN

Lieber Martin,

am 18. Mai 2009 haben wir uns nach sehr langer Zeit wieder einmals gesehen und sind uns gegenüber gesessen. Ich habe mich sehr gefreut Dich wieder zu sehen, habe ich doch schon fast vergessen, wie Du aussiehst. Wenn auch das Treffen nicht derart war, wie ich es mir immer vorgestellt habe, habe ich dennoch diesem Treffen entgegengefiebert. Ebenso war ich froh Deine Stimme gehört zu haben.

Dennoch war ich sehr enttäuscht von Dir. Obwohl Du mich zuvor gesehen hast, hast Du getan als würdest Du mich nicht kennen. Schade, dass Du so wenig Rückgrad beweist und so wenig Mut hast, zu Deiner - sofern Du überhaupt eine hast - Meinung und zu Deinen Ansichten stehst. Es war nicht das, was ich Dir für Dein Leben mit auf den Weg geben wollte.

Wiederholt hast Du geäußert, daß Du keinen Vater hast und Du nicht mit mir sprechen oder mich sehen willst. Auch Geschenke willst Du keine annehmen. Diesen Wünschen komme ich gerne nach. Geschenke, die ich bisher mit vielen lieben Gedanken für Dich ausgesucht habe, werde ich in Hinkunft anderen Kindern zukommen lassen. Auch ich will keinen Sohn, der sich versteckt, nicht zu seinen Meinungen steht und seinem Vater nach einem schweren Verkehrsunfall nicht einmal eine Karte schreibt.

Lange genug habe ich mich von Deiner Mutter und Dir an der Nase herumführen lassen. Erinnere Dich nur an die unzähligen (insgesamt dreizehn) Treffen, zu denen ich von Tirol nach Wien gefahren bin und es weder Deine Mutter noch Du der Mühe wert gefunden hast vorher abzusagen. Obwohl diese Treffen gerichtlich verordnet und vereinbart waren. Ich hoffe, Ihr hattet Eure Freude daran.

Ebenso erinnere ich mich an die zutiefst beschämenden Treffen beim Wiener Familienbund. Nur Dir zu liebe habe ich diese Demütigungen auf mich genommen, mich von Frau Laimer hinters Licht führen lassen. Anstatt die Wahrheit dem Gericht zu schreiben, hat sie lediglich am Telefon zumindest nicht gelogen. Zu Deinem Wohl habe ich die weiteren Treffen beim Wiener Familienbund abgesagt.

Du hast mich bisher stets in Nöten alleine gelassen. Ich habe es überwunden, Du mußt damit aber weiterhin leben. Ich hoffen für Dich, daß Du zur Einsicht gelangst, daß man im Leben nicht davon laufen kann und sich den Herausforderungen stellen muß. Bis dahin habe ich jedenfalls keine Sohn mehr. Nie hätte ich mir träumen lassen, daß ich mich einmal für meinen Sohn schämen muß. .

Dennoch bin ich für Dich erreichbar. Du kannst mir jederzeit ein E-Mail unter peter.morth@a1.net schreiben oder mich anrufen. Mögliche Ungereimtheiten lassen sich dadurch ausräumen. Die Tür lasse ich Dir einen Spalt offen.

Vater bleibt man ein Leben lang und daher bin ich auch ein Leben lang Dein Vater, wenngleich es mir deerzeit sehr schwer fällt.

Schade auch, daß Du die Kontakte zu Deinen Pateneltern Astrid und Ewald abgebrochen hast. Sie mögen Dich immer noch.

Peter

Tirol, 2. Dezember 2009

Du kannst Dich noch an Gemeinsamkeiten erinnern?

Ich habe sie im Moment verdrängt.

Aus meinem jetzigen Leben erzähle ich Dir gerne, wenn Du Dich meldest, sonst habe ich keine Veranlassung.

 

 




 


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